5 Tipps wie Kinder Toleranz lernen

Engelderkulturen

In der vergangenen Woche, am 27.01.2015, jährte sich der Holocaust-Gedenktag zum 70. Mal. An diesem Tag wurde vor 70 Jahren das erste Konzentrationslager von der roten Armee befreit. Die Opferzahlen dieses sadistischen Völkermordes wird heute auf ca. 6 Millionen Menschen geschätzt. Eine systematische Ausrottung, die so grauenvoll und unfassbar ist, dass ich es kaum in Worte fassen kann.

Und wenn ich heute den Fernseher einschalte, dann sehe ich tausende PEGIDA-Demonstranten, die sich zusammenrotten. Sie geben ähnliche Parolen von sich, wie all die ferngesteuerten Menschen aus der NS-Zeit vor 80 Jahren. Und dann frage ich mich, warum wir wieder an einen Punkt gelangen konnten, an dem Intoleranz gegenüber Fremden thematisiert werden muss?

Ich gehöre glücklicherweise zu der Generation, die nie das Leid und die Traumatisierungen eines Krieges miterleben musste. Eine Generation, die durch die Erzählungen der Ur-/Großeltern zwar erahnen kann, wie schlimm solche Erlebnisse sind, aber den nötigen Abstand dazu haben. Ein Abstand, der scheinbar viele Vorzeichen übersehen lässt.

Aber weiter gehöre ich ebenfalls zu der Generation, die die künftige Generation aufwachsen lässt. Die mit ihrer Erziehung die Zukunft mit gestalten kann. Die ihre Kinder zu Mitgefühl, Toleranz und Respekt vor Menschen erziehen kann. Damit aus Fremden Freunde werden können.

Multi-Kulti – Zusammen aneinander vorbei leben

Heute leben wir in einer barrierefreien Gesellschaft, in der Männer und Frauen gleichberechtigt miteinander leben. Wir essen italienisches Essen, tanzen zu englischer Musik, schauen französische Filme, tragen unsere Kinder in indischen Tüchern, lassen uns die Haare im türkischen Salon stylen, gehen abends in eine Sushi-Bar und verbringen unseren Urlaub gern in Spanien, wo uns afrikanische Zöpfe geflochten werden. Und dennoch gibt es immer wieder Menschen, die andere Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder dem Aussehen beurteilen.

Werte und Normen

In der Erziehung unseres Kindes möchten wir Werte und Normen vermitteln, die uns wichtig sind. Es sind gesellschaftliche Regeln, welche für die Kinder im Zusammenleben mit anderen Menschen enorm wichtig sind.
Kinder, die über keine oder nur wenige soziale Fähigkeiten verfügen, werden immer wieder mit anderen Menschen anecken, als Erwachsene Probleme in der Arbeitswelt haben und im schlimmsten Fall sogar Konflikte mit dem Gesetz haben.

Wir haben als Eltern also die wichtige Aufgabe, unserem Kind die Werte und Normen der Gesellschaft, und die der eigenen Familie, zu vermitteln.

Die kindliche Entwicklung als Basis

Bis zum dritten Lebensjahr nehmen Kinder Unterschiede zwischen Menschen zwar wahr, stehen dem allerdings völlig wertfrei gegenüber. Sie beurteilen Menschen nicht nach dem Aussehen, sondern danach, wie sie sich den Kindern gegenüber verhalten.
Nach dieser Phase beginnen die Kinder sich in Gruppen einzuteilen. Jungs spielen lieber mit anderen Jungs und Mädchen lieber mit ihresgleichen. Sie beginnen sich selbst über Merkmale von anderen zu definieren und interessieren sich dafür, was sie von anderen unterscheidet. So stellen sie beispielsweise fest, das Mädchen gerne Röcke tragen und Jungs einen Penis haben. Diese Phase gehört zu der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und ist somit sowohl wichtig, als auch völlig normal.

Um andere Menschen auszugrenzen oder zu diskriminieren benötigen die Kinder die Fähigkeit, sich bewusst für dieses Handeln zu entscheiden.
Im Alter von fünf Jahren schließen Kinder beispielsweise feste Freundschaften und möchten diesen Freund am liebsten mit niemandem teilen. Aus einer Trennungsangst heraus, sind sie nun im Stande dazu andere auszugrenzen, damit sich niemand zwischen ihre Freundschaft stellt.

Zu dieser Zeit bildet sich ebenfalls ein Bewusstsein dafür, wen Kinder aus dem Bauch heraus sympathisch finden und wen sie lieber meiden. In dieser Phase ist es besonders wichtig, den Kindern die Möglichkeit einzuräumen, ihre eigenen (dem Alter entsprechenden) Entscheidungen zu treffen. So kann sich ihre Fähigkeit zur Meinungsbildung entwickeln und sie bekommen nach und nach einen Bezug dazu, welche Vorlieben und Abneigungen sie persönlich haben.

Wie kann ich mein Kind zu Toleranz gegenüber Fremden erziehen?

1. Eltern als Vorbild

Kinder lernen vorrangig durch Nachahmen. Wenn ich also möchte, dass mein Kind dem „Anderssein“ mit Neugierde, statt mit Voreingenommenheit gegenüber tritt, dann müssen wir unserem Kind dafür ein Vorbild sein.
Denn ob wir als Eltern vorurteilsfrei und tolerant gegenüber Anderen sind, spürt unser Kind durch das Handeln, die Emotionen, das Gesagte und der Körpersprache seiner Bezugsperson und es wird diese Reaktionen unbewusst übernehmen.

„Geh nie mit Fremden mit!“ oder „Lass dich nicht von Fremden ansprechen!“. Das sind Aufträge, die wir unserem Kind mit auf den Weg geben, weil wir es beschützen wollen. Dass wir ihm damit aber ein negatives Bild von allem was fremd und anders ist, mitgeben, ist uns wohl im seltensten Fall bewusst. Wir sind misstrauisch und haben das Gefühl, dass alles was wir nicht kennen, eine Gefahr birgt.

Als Eltern ist es also sehr wichtig uns selbst einmal zu fragen, wie aufgeschlossen wir sind. Stehe ich im Kindergarten nur mit deutschen Müttern aus der oberen Mittelschicht zusammen? Gibt es in dem eigenen Umfeld Bekannte oder Freunde mit einem Handicap und wie gehe ich damit um? Habe ich Schwierigkeiten damit, fremde Leute kennen zu lernen? Wie fühle und reagiere ich, wenn ich plötzlich von fremden Menschen angesprochen werde?

Nur wenn wir uns von unseren eigenen Vorurteilen und Unsicherheiten frei machen können, können wir unseren Kindern ein gutes Vorbild sein.

2. Dem Kind ein starkes Selbstbewusstsein auf den Weg geben

Damit sich unser Kind eine eigene Meinung über andere Menschen, Religionen oder Kulturen bilden kann, muss es nicht nur mindestens das Vorschulalter erreichen. Es benötigt außerdem ein starkes Selbstbild, um sich überhaupt eine Entscheidung zu zutrauen.

Wenn Kinder in einer Gruppe andere Kinder ausgrenzen, dann gibt es unter den ausgrenzenden zwei verschiede Typen:
Typ 1 grenzt ein anderes Kind aus, weil es sich selbst dadurch besser fühlt. Andere herabzusetzen bedeutet für dieses Kind, sich selbst aufzuwerten.
Typ 2 ist der sogenannte Mitläufer. Dieses Kind fühlt sich in der Gruppe stark, findet es wichtig dazu zugehören und hat entweder gar keine eigene Meinung oder traut sich nicht, eine abweichende Meinung gegenüber der Gruppe zu vertreten.

Wahrscheinlich werden beide Typen von Kindern Zuhause unterdrückt oder in ihren Bedürfnissen nicht ernstgenommen. Oder sie bekommen in der Familie mit, wie beispielsweise die Mutter den Vater unterdrückt oder umgekehrt.

Wie man sein Kind selbstbewusst erzieht ist ein Thema das einen eigenen Artikel verdient.
Das Kind stets ernst zu nehmen, in seinen Bedürfnissen und Emotionen, ist jedoch ein sehr wichtiger Bestandteil. Es in Entscheidungen miteinzubeziehen und zu zeigen, dass die kindliche Meinung auch wertvoll ist, gehört ebenfalls dazu. Nur ein Kind, das weiß, was ihm gut tut und sich abgrenzen kann, kann „Nein!“ zu Vorurteilen sagen.

3. Empathie ist der Schlüssel zur Menschlichkeit

Mitgefühl für andere Menschen zu entwickeln gehört zu den sozialen Kompetenzen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens entwickelt haben sollte. Durch Empathie lernt man, sich in die Perspektive des Anderen hinein fühlen zu können. Und geht es jemandem schlecht oder man bemerkt, dass er Probleme hat, ist man im besten Fall engagiert genug, um demjenigen Unterstützung zukommen zu lassen.

Empathie sollte jedoch nicht mit Mitleid verwechselt werden, denn Mitleid ist passiv. Man bedauert die Situation des Anderen, aber wirkt nicht aktiv mit, um dem Menschen tatkräftig Beiseite zu stehen.

Auch hier lernen Kinder am besten von den eigenen Eltern und aus ihrem Umfeld. Wenn wir unserem Kind mit Mitgefühl begegnen, dann lernt es, dass Einfühlungsvermögen etwas Gutes ist. Also trösten wir unser Kind, wenn es fällt und kleben ein Pflaster auf die verwundete Stelle.
Wenn es sauer ist, akzeptieren wir seine Wut und bieten eine Alternative, wie es die Wut am besten ablassen kann, ohne sich selbst oder Andere zu verletzen.
Wir vergeben unserem Kind, wenn es etwas Schlimmes getan hat und erklären, was das mit uns macht.
Und wenn unser Kind ein anderes Kind haut, tritt oder sonst irgendwie gemein ist, zeigen wir Verständnis für seine Wut, aber zeigen ihm auch auf, welche Konsequenzen sein Verhalten für das andere Kind hat.

„Du hast dich verletzt? Das tut bestimmt weh. Komm lass uns ein Pflaster aufkleben, dann geht es dir sicher gleich besser.“

„Du findest es gemein, dass du jetzt keine Schokolade bekommst. Wenn du das Spielzeug wirfst, geht es kaputt. Komm lass uns die Wut ins Kissen brüllen, das ist besser!“

„Du darfst nicht auf die Straße laufen, ich habe dann Angst um dich. Zum Glück ist dir nichts passiert!“

„Wenn du den Peter haust, weint er, weil es ihm weh tut. Möchtest du, dass der Peter dich haut? Wie würdest du das finden?“

Es geht also darum, über Gefühle zu reden. Unserem Kind die eigenen oder die Gefühle Anderer zu erklären (möglichst knapp und verständlich), damit es dafür ein Gespür entwickeln kann.

4. Offenheit gegenüber anderen Kulturen fördern

Hier kann man sehr aktiv werden. Es geht darum, dem Kind die verschiedenen Kulturen und Religionen näher zu bringen. Kontakt zu Menschen aufzubauen, die anders sind.

  • Kocht Zuhause internationale Gerichte und nehmt die Situation zum Anlass, um über das Land und die Gewohnheiten zu sprechen.
  • Geht Auswärts in einem internationalen Restaurant essen und lasst euch von den Kellnern etwas über die Gerichte oder die Kultur erzählen.
  • Fahrt in den Urlaub und schaut euch auch fernab des Tourismus etwas im Land um. Lernt vor dem Urlaub ein wenig von der Sprache, um einfache Gespräche mit den Landsleuten führen zu können.
  • Besucht die Gotteshäuser verschiedener Religionen. Viele haben regelmäßig einen „Tag der offenen Tür“. Hier gibt es Führungen, Feste und auch Vorträge, die ihr mit eurem Kind besuchen könnt.
  • Geht in Museen oder andere Ausstellungen, die über die verschiedensten Kulturen informieren. Für Kinder gibt es meistens etwas zum Mitmachen und auch für die Erwachsenen kann es interessant sein. Besprecht eure Eindrücke miteinander. Schaut nach Unterschieden und nach Gemeinsamkeiten.
  • Besucht zusammen Feste von örtlichen sozialen Einrichtungen, wie z.B. Diakonie, DRK, Caritas usw. Vielleicht gibt es ja in der Nachbarschaft Wohnheime für Menschen mit Handicaps, Seniorenheime oder Kinderheime. Hier kommen die verschiedensten Menschen zusammen. Es gibt immer etwas zu entdecken und häufig werden Hüpfburgen aufgebaut oder Tombolas veranstaltet, die das Ganze noch spaßiger machen und euer Kind lernt offen mit vielen verschiedenen Menschen umzugehen.
  • Ladet doch beispielsweise einmal die türkische Familie von Nebenan in euren Garten zu einem gemeinsamen Grill-Nachmittag ein. Jeder kann etwas zu Essen mitbringen und ihr könnt euch näher kennenlernen. Traut euch, mehr als nein sagen können sie nicht.

Das sind nur einige Beispiele, die ganz simpel sind, aber sehr effektiv sein können, um euch und euren Kindern die Augen und die Herzen für verschiedene Kulturen zu öffnen.

5. Neugierde spielerisch wecken

Kinder haben die wunderbare Eigenschaft, dass sie allem Neuen und Andersartigen ganz aufgeweckt und neugierig entgegentreten. Hier können wir Erwachsenen wirklich noch eine Menge lernen.
Wir müssen diese Eigenschaft unterstützen und sollten sie nicht abtrainieren. Wenn unser Kind etwas eigenartiges an einem anderen Menschen entdeckt, darf das Kind ruhig nachfragen. Wir haben den Auftrag, unserem Kind zu zeigen, wie man respektvoll mit den Menschen umgeht. Wir sollten ihm nicht sofort über den Mund fahren, wenn es beispielsweise mit dem Finger auf Andere zeigt. Anders sein ist kein Tabu, es ist etwas Besonderes.

Anhand von Spielen und Büchern kann man dieses Thema mit Kindern sehr gut aufgreifen. Es gibt viele schöne Bücher über das Anderssein und wie man damit umgeht. Damit das Kind jedoch das Thema verknüpfen kann, sind wir Eltern gefragt: Besprecht mit eurem Kind das Thema des Buches und knüpft es an Situationen, die euer Kind nachvollziehen kann oder ihm selbst begegnet sind.

Hier sind ein paar Buchtipps mit denen ihr die Themen Toleranz, andere Kulturen und Religionen, Anderssein und ausgeschlossen werden, mit eurem Kind besprechen könnt:

kinderbuecherToleranz

Von links nach rechts:
1. <a href=“http://www.carlsen.de/hardcover/afrika-wie-ist-es-da/60227&#8243; rel=“nofollow“>Afrika, wie ist es da? Geschichten zum Vor- und selber lesen, von Hermann Schulz, Agatha Ngonyani, Birte Müller, Carlsen Verlag, ca. 17 €, Alter: ab 3 Jahren</a>
2. <a href=“http://www.rowohlt.de/buch/Tahar_Ben_Jelloun_Papa_was_ist_ein_Fremder.3735.html&#8220; rel=“nofollow“>Papa, was ist ein Fremder? Gespräche mit meiner Tochter, von Tahar Ben Jelloun, rohwolt Verlag, ca. 8€, Alter: ab 10 Jahre</a>
3. <a href=“http://www.papierfresserchens-buchshop.de/Gustav-und-das-Terror-Trio-Lina-Ebhardx&#8220; rel=“nofollow“>Gustav und das Terror-Trio: Mobbing, Opfer, Ausgrenzung, Toleranz, Freundschaft, von Lina Ebhardt, Papierfresserchens MTM Verlag, ca. 10€, Alter: ab 10 Jahre</a>
4. <a href=“http://www.ravensburger.de/shop/grosse-marken/wieso-weshalb-warum/religionen-der-welt-32895/index.html&#8220; rel=“nofollow“>Wieso? Weshalb? Warum? 23: Religionen der Welt, von Angela Weinhold, Ravensburger Buchverlag, ca. 13€, Alter: ab 4 Jahre </a>
5. <a href=“http://www.loewe-verlag.de/titel-1-1/kinder_aus_aller_welt-69/&#8220; rel=“nofollow“>Kinder aus aller Welt: In Zusammenarbeit mit unicef, von Anabel Kindersley, Loewe Verlag, ca. , Alter: ab 6 Jahre</a>
6. <a href=“http://www.ravensburger.de/shop/grosse-marken/wieso-weshalb-warum/kinder-dieser-welt-32862/index.html&#8220; rel=“nofollow“>Wieso? Weshalb? Warum? Sonderband: Kinder dieser Welt, von Angela Weinhold, Ravensburger Buchverlag, ca. 17€, Alter: ab 4 Jahre</a>
7. <a href=“http://www.papierfresserchens-buchshop.de/epages/64282966.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/64282966/Products/518&ViewAction=ViewProduct&#8220; rel=“nofollow“>Svea ist besonders – Ein Autismusbuch für Kinder im Kindergarten-, Vorschul- und Grundschulalte​r, von Dorina Lutz, Papierfresserchens MTM Verlag, ca. 17€, Alter: ab 4 Jahre</a>
8. <a href=“http://www.scm-haenssler.de/produkt/titel/du-bist-einmalig-1/72272/72272/72272.html&#8220; rel=“nofollow“>Du bist einmalig, von Max Lucado, SCM Hänssler Verlag, ca. 13€, Alter: ab 4 Jahre</a>
9. <a href=“http://www.amazon.de/dp/3841100120/ref=wl_it_dp_o_pC_nS_ttl?_encoding=UTF8&colid=1WBUZK7UDDLOE&coliid=I1LAYETFOXQQ34&#8243; rel=“nofollow“>Das Vier-Farben-Land, von Gina Ruck-Pauquèt, Velber Verlag, ca. 15€, Alter: ab 3 Jahre</a>
10. <a href=“http://www.oetinger.de/nc/schnellsuche/titelsuche/details/titel/1263524/391/12162/Autor/Kathryn/Cave/Irgendwie_Anders.html&#8220; rel=“nofollow“>Irgendwie Anders, von Kathryn Cave, Oetinger Verlag, ca. 12€, Alter: ab 4 Jahre</a>

Unterstützt euer Kind darin, Kontakt zu anderen Kindern aufzubauen, die anders sind als euer Kind!

Alle Menschen sind verschieden; aber gleichwertig!
Wie bringt ihr euren Kindern Toleranz bei? Wie aufgeschlossen geht ihr mit Fremden oder Menschen, die anders sind als ihr, um?
Seht ihr dieses Thema vielleicht aus einem völlig anderen Blickwinkel? Dann lasst es mich wissen. Ich finde, bei diesem Thema kann nicht genug diskutiert und besprochen werden.

Habt ihr noch weitere Tipps zur Toleranz-Erziehung, kennt ihr noch Filme, Bücher etc.? Dann her damit, ich will alles sehen 😉

Gut zu wissen:

Hier noch ein paar nützliche Links zu dem Thema

Am 3. Oktober eines jeden Jahres findet der bundesweite <a href=“http://www.tagderoffenenmoschee.de&#8220; rel=“nofollow“>„Tag der offenen Moschee“</a>(http://www.tagderoffenenmoschee.de) statt.

<a href=“http://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Buddhismus/Liste_der_buddhistischen_Tempel_und_Klöster&#8220; rel=“nofollow“>Hier</a> gibt es eine Liste von buddhistischen Tempeln in Deutschland die man besichtigen kann.

Wenn ihr mal eine Synagoge besuchen möchtet, gibt es <a href=“http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Synagogen_in_Deutschland&#8220; rel=“nofollow“>hie
r</a>eine Liste, auf der ihr die Nächstgelegene suchen könnt.

Das <a href=“http://www.religionen-entdecken.de&#8220; rel=“nofollow“>hier</a> ist eine tolle Seite über die verschiedenen Religionen, extra für Kinder. Hier gibt es Spiele, Tipps, Umfragen und Quizze über alle Religionen.

Auf dieser <a href=“http://www.bv-kindermuseum.de/museum/?no_cache=1&#8243; rel=“nofollow“>Homepage</a> gibt es eine Liste mit deutschen Kindermuseen. Hier gibt es immer mal wieder Ausstellungen zu diesem Thema

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Mama Challenge 2015 – KW 4 und 5

Liebe Leute, ich komme tatsächlich im Moment zu gar nichts mehr. Gar nichts stimmt ja eigentlich nicht, aber zumindest nicht zu Dingen, die ich mir für mich vorgenommen habe. Traurig aber wahr. Und so ist mir soeben alles aus dem Gesicht gefallen, als ich gesehen habe, dass ich in der letzten Woche nicht mal dazu gekommen bin, meinen Mama-Challenge-Post zu schreiben. Dies hole ich nun öffentlich (wie auch sonst) nach.

Und das habe ich getan! Das Gute daran war, dass ich es zeitlich so gut abgepasst habe, dass meine Mutter, die eine Woche zu Besuch kam, auf die Milchschnute aufpassen konnte, während ich gerührt, gedrückt und bestrichen habe.

Wie versprochen hier nun mein Rezept für einen

White Chocolate Strawberry Cheesecake

White Chocolate Raspberry Cheesecake

Man nehme:
Für den Boden
– 250g Kekse (Butterkekse, Löffelbiscuit oder Schokokekse)
– 80g Butter (geschmolzen)

Für das Himbeergelee
– 280g Himbeeren (TK)
– 25g Zucker
– 1EL Speisestärke
– 120ml Wasser

Für die Füllung
– 350g weiße Schokolade (geschmolzen)
– 125ml Sahne und Milch (zu gleichen Teilen vermengt)
– 675g Frischkäse (Zimmertemperatur)
– 100g Zucker
– 3 Eier
– 1EL Butter-Vanille-Aroma

Budget ca. 7€

Zubereitung
Die Kekse zerbröseln und dann mit der geschmolzenen Butter vermischen.
Die Masse in eine gefettete Springform (22cm Durchmesser) als Boden andrücken.

Himbeeren, Zucker, Stärke und Wasser in einem Topf zum Kochen bringen und dann 5 Minuten einkochen lassen. Wenn das Gelee dickflüssig ist, durch ein Sieb passieren, damit die Kerne entfernt werden.

Schokolade im Wasserbad schmelzen lassen und dann mit dem Milch-Sahne-Gemisch verrühren.

Frischkäse und Zucker mit dem Mixer cremig rühren. Die Eier nacheinander unterrühren. Dann das Schoko-Milch-Sahne-Gemisch unterrühren.

Die Hälfte der Frischkäsemasse in die Form geben und eine Schicht Himbeergelee darauf verteilen.
Die restliche Frischkäsemasse darauf geben und dann nach belieben das restliche Himbeergelee oben verteilen.
Mit einer Gabel oder einem Messer durch die Masse zwirbeln, sodass eine Marmorierung entsteht.

In dem, mit 170 Grad vorgeheizten, Ofen ca. 60-70 Minuten backen.
Im Ofen anschließend 30 Minuten auskühlen lassen.

Danach kühl stellen.

Ergebnis
White Chocolate Raspberry Cheesecake vor dem BackenEin Stück White Chocolate Raspberry Cheesecake auf dem Teller drapiert
Vorher und Nachher
Das Ergebnis konnte sich sehen und schmecken lassen. Der Kuchen duftete schon im Ofen wirklich lecker. Der Geschmack der weißen Schokolade kam sehr gut durch, war aber durch den Frischkäse auch nicht zu dominant als dass er dadurch zu mächtig würde.

Ich werde den Kuchen sicherlich häufiger backen, denn er war wirklich lecker, dafür dass er nicht viel Arbeit gemacht hat.

Und weil es vom Timing her gut gepasst hat, habe ich den Kuchen direkt für die nächste Mama Challenge benutzt

Mama Challenge KW 5
“Lade jemanden zu einer Tasse Tee zu dir nach Hause ein.”

Das habe ich getan und ich habe sogar noch einen drauf gesetzt! Denn am vergangenen Montag habe ich drei völlig fremde Mütter mit ihren Babys zu uns nach Hause eingeladen. Und die habe ich nicht ominöser Weise beim letzten Babytreff einfach aufgegabelt, nein, das war viel spannender.

Als ich noch mit der Milchschnute schwanger war, habe ich im Internet nach anderen schwangeren Frauen gesucht, die aus unserer Ecke kommen. So habe ich Laura1 kennen gelernt. Ihre Maus sollte nur 10 Tage nach Meiner geboren werden. Wir kamen virtuell ins Gespräch und tauschten uns ein paar Mal aus. Da wir aber beide immer unbeweglicher wurden, kam es leider nie zu einem Treffen.

Vor ein paar Wochen lud mich Laura in eine Facebook-Gruppe ein. Sie wollte ein Treffen mit anderen Mamas organisieren, deren Babys alle zwischen August und Oktober 2014 geboren wurden. Sie kannte sie aus verschiedenen Kursen oder aus ihrem Freundeskreis. Für einige Mütter war es das zweite Baby und sie hatten nicht mehr die Zeit und die Muße regelmäßig zu verbindlichen Babykursen zu gehen. Ich fand die Idee toll.

Ich hatte mich darüber sehr gefreut, aber leider konnten wir die Einladung im Dezember nicht annehmen, weil die Milchschnute an dem Morgen nicht gut zurecht war.

Und so lud ich die anderen Mütter, ganz engagiert, für das nächste Treffen zu uns nach Hause ein. Wir planten es für 9.30 Uhr ein, da die meisten Babys da ausgeschlafen waren.
Es war wirklich interessant drei völlig fremde Mütter mit ihren Babys bei sich Zuhause zu haben, aber wir waren uns direkt sympathisch und hatten jede Menge zu erzählen.
Das Schöne war wirklich, dass wir interessiert aneinander und an den Babys waren und wir z.B. die Entwicklungsstände zwar verglichen aber nicht gewertet haben. Und da die Babys vom Alter her alle nur ein paar Wochen auseinander liegen, war es total interessant zu sehen, wie verschieden die Babys doch sind. Und wenn das Eine etwas konnte, was die anderen noch nicht taten (Mittagsschlaf, Bauchdrehung, etc.) dann konnten die anderen dafür wieder ganz andere Sachen.
Und auch die Charaktere waren schon sehr unterschiedlich. Neugierig, verschlafen, angepasst, freundlich – auf jeden Fall keines wie das andere. Und das war wirklich spannend zu sehen.

Über das ganze quatschen haben wir dann leider das Kuchenessen vertrödelt (darüber hat sich Herr Schatz sehr gefreut, der musste nämlich zur Uni und hatte Angst, dass wir nichts übrig lassen, und meine Mum hat sich natürlich ebenfalls nicht beklagt, dass wir den Kuchen nun vernichten mussten). Tee trinken wollten die Damen auch nicht, dafür aber Wasser – ich denke das geht für die Challenge in Ordnung.

Wir wollen uns im Februar wieder treffen, mal sehen, wie das so wird.

In dieser Woche geht es noch einmal um ein Treffen:

“Arrangiere ein Date mit einer anderen Mami.”

Mal sehen, ob ich das diese Woche noch gewuppt bekomme.

Bis dann,

eure Sarah

Ihr könnt natürlich weiterhin jederzeit mitmachen. Lest euch dazu einfach den ersten Artikel hier durch, da erfahrt ihr, wie ihr teilnehmen könnt.

Wenn man von seiner Heimat weiter entfernt wohnt und seine Familie nur selten zu Gesicht bekommt, dann kann sich ab und an schon einmal ein wenig Sehnsucht nach seinen Liebsten einschleichen.

Aus diesem Grund habe ich mich vor einigen Wochen auch ausgesprochen auf die Weihnachtszeit gefreut, denn die haben wir im Kreise unserer Familie über mehrere Wochen verbracht.

Jetzt ist die Weihnachtszeit vorbei und und ich sehe mir gern die Fotos an, die in der Zeit entstanden sind. Aber irgendetwas hat einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen…

GenerationsunterschiedZeichnungColoriert

Von gut gemeinten Ratschlägen und Kopfschütteln

Familie kann man sich bekanntlich ja nicht aussuchen und im Grunde liebt man sich, auch wenn man sich so manches mal tierisch auf den Zwirn geht. Was an den Familientagen allerdings wirklich nerven kann, sind gut gemeinten Ratschläge, Tipps und rhetorischen Fragen von Besserwissern aus der Familie.

„Also ich weiß ja nicht, aber wir haben die Kinder früher nicht die ganze Zeit durch die Gegend getragen – da hatten wir ja auch gar keine Zeit zu.“

„Die möchte aber wirklich viel an die Brust und ablegen lässt sie sich ja auch nicht!“

„Du musst das Köpfchen auch halten!“

„Die ist sicher müde, deswegen schreit sie so!“

„Früher war nicht alles nur schlecht.“

„Die hat euch ganz schön in der Hand. Sie weiß genau wie sie kriegt was sie will!“

„Oje, da zieht ihr euch aber ein ganz schön verwöhntes Luder heran!“

Das sind nur einige Beispiele. Und normalerweise macht es mir nichts aus, denn ich verlasse mich auf mein Bauchgefühl und fühle mich dabei auch ziemlich sicher.

Wenn man allerdings tagelang mit diesen Kommentaren bombardiert wird, hat man irgendwann keine Lust mehr zu erklären und zu vermitteln und fragt sich nur noch:

> „Warum könnt ihr so schlecht akzeptieren, dass wir es anders machen als ihr?“

Es ist noch nicht einmal so, dass ich mich rechtfertigen muss oder möchte. Ich war anfangs noch ziemlich bemüht zu erklären, warum ich dies und jenes so tue, wie ich es tue. Einfach um ein gegenseitiges Verständnis zu vermitteln. Allerdings schaltet die ältere Generation schon merkbar ab, wenn man mit wissenschaftlichen Theorien kommt oder erklärt, dass das Baby nunmal Bedürfnisse hat.

Zur damaligen Zeit war das Frauenbild ein anderes und die Mutterrolle ebenfalls.

Deswegen meine Erklärung für diesen Schlamassel:

Durch Generationsunterschiede entsteht ein anderes Verständnis für Erziehung.
Lasst uns also mal gemeinsam nach der Erziehung von damals und heute schauen.

Die Uroma

Wir sind wirklich froh, dass die Milchschnute noch drei Uromas hat. Alle drei sind Nachkriegskinder,erzogen von Müttern, die in der NS-Zeit aufwuchsen.

Meine Omas wuchsen also mit dem Rollenverständnis auf, dass Frauen für den Haushalt und die Kinder zuständig sind. Vereinzelt haben sie nebenbei auch schon gearbeitet, es war aber eher die Seltenheit.

Kinder bekam man, weil man sie eben bekam. Es wurde so gut wie nie verhütet und als gute Ehefrau hat man die Ehe mit seinem Mann vollzogen.
Waren die Kinder da, wurden sie versorgt. Reinlichkeit war wichtig und regelmäßige Fütterungszeiten ein Muss. Die Kinder sollten schnell selbstständig werden und wurden vornehmlich als kleine Tyrannen angesehen, mit denen man täglich in den Machtkampf gehen musste. Sie sollten abgehärtet werden, damit sie das Leben gut meistern. Schreien stärkte die Lungen und hielten die Babys sich nicht an die festen Schlafenszeiten, so durfte man sich als Mutter bloß nicht von ihnen manipulieren lassen, denn so hätte man den Kampf verloren.

Der Erziehungsstil war ein autoritärer – mit körperlicher Züchtigung sollten die Kinder abgehärtet und gesellschaftsfähig gemacht werden.

Gehorsamkeit, Pflichterfüllung und Disziplin wurden groß geschrieben.

Der Erziehungsratgeber von Johanna Haarer, der in der NS-Zeit geschrieben wurde und an deren Ideologie angelehnt war, prägte die Erziehungshaltung in dieser Zeit. Selbst wenn die Mutter ihn selbst nicht besaß, so teilte doch wenigstens der Kinderarzt diese Haltung. Ebenso diente der Ratgeber bis 1960 als Fachbuch in relevanten Berufen.

Die Oma

Die Generation meiner Mutter ist in den 60/70ern aufgewachsen. Hier entstand der erste Umbruch im Rollenverständnis der Frauen.

Die Frauen wurden unabhängiger, gingen arbeiten in einem Job, den sie sich ausgesucht hatten und bekamen Kinder, die sie sich wünschten. Sie kämpften für ein neues Frauenbild und zeigten, dass es klappen kann die Familie und den Beruf unter ein Dach zu bekommen.

Allerdings war der Betreuungsrahmen für Kinder noch nicht derselbe wie heute. Nach der Geburt konnten die Mütter nur Zuhause bleiben, wenn der Mann genügend Geld verdiente. U3-Plätze gab es noch nicht und so wurden die Kinder, wir, häufig von den Omas betreut.

Hier trafen zwei unterschiedliche Generationen aufeinander. Unsere Mütter glaubten daran, dass in Kindern etwas Wundervolles steckt. Die Erziehung sollte den Kindern dabei helfen ihre Persönlichkeit zu entwickeln und Selbstbewusstsein aufzubauen.

Sie mussten sich allerdings gut durchsetzen, denn ihre eigenen Mütter konfrontierten sie immer wieder mit den alten Erziehungsansichten, nämlich dass das Kind verwöhnt würde wenn man sich zu bedürfnisorientiert darum kümmerte.

Letztendlich erzogen unsere Eltern uns mit dem Gedanken, dass Kinder Liebe und Zuwendung brauchen, gefördert und gefordert werden sollten und unterstützten uns, wo immer sie konnten.
Der Haarer’sche Erziehungsratgeber wurde zu dieser Zeit übrigens immer noch verkauft. Mit einigen Anpassungen, jedoch mit dem gleichen Wortlaut. Die Gesamtauflage betrug bis 1987 1,2 Millionen.

Die Mutter

Die Mutter der Milchschnute, also ich, gehört zu der sogenannten Generation Y[^1]. Wir Mittelschicht-Kinder wuchsen mit dem Verständnis der Gleichberechtigung auf. Wir haben das Gefühl, dass wir alles erreichen können, wenn wir an uns glauben. Weil unsere Eltern an uns geglaubt haben.

Uns ist die Freizeit mit der Familie wichtiger, als die Zeit, die wir auf der Arbeit verbringen, auch wenn wir unseren Job gern machen. Wir sind privilegiert, alles zu hinterfragen, uns ständig weiterzuentwickeln und uns unseren Lebensweg selbst auszusuchen. Das ist das, was unsere Eltern sich für uns gewünscht haben.

Unsere Kinder sind Wunschkinder und wir haben das Glück uns aussuchen zu dürfen, ob wir nach der Geburt wieder arbeiten gehen wollen oder eine Auszeit nehmen.

Wir erziehen unsere Kinder intuitiv, bedürfnisorientiert und setzen alles daran eine verlässliche Bezugsperson für unsere Kinder zu sein. Wir lassen die Kinder Kinder sein, so lange es eben geht. Weil wir selbst gern an unsere Kindheit zurück denken, was der Verdienst unserer Mütter und Großmütter ist.

Mein Friedensangebot

Ihr lieben Urgroßmütter, wir sind froh, dass ihr eure Urenkel noch erleben könnt. Betüddelt sie, solange es geht und sollten sie dadurch verwöhnt werden, müssen wir es eben ausbaden.

Und wenn wir es so sehr anders machen als ihr, dann ist es vielleicht genauso schwer zu verstehen, wie das Umgehen mit der modernen Technik und dafür haben wir Verständnis. Aber wir dürfen es so machen, wie ihr es vielleicht neben der ganzen „Gehirnwäsche“ selbst tief in eurem Herzen gespürt habt, es aber wegen dem Bild nach Außen nicht tun konntet. Ihr habt in einer Zeit gelebt, in der vieles nicht so selbstverständlich war, wie es heute ist. Ihr wusstet es einfach nicht anders.

Und ihr lieben Mütter. Wir danken euch dafür, dass wir die Mütter sein können, die wir heute sind. Das ist euer Verdienst. 

Wir kuscheln gern mit unseren Kindern und wiegen sie fest an uns, weil wir uns selbst so wohl in euren Armen gefühlt haben. 
Uns ist die Bindung zu unserem Kind so wichtig, weil wir die Nähe und das Vertrauen von euch ebenso genossen haben. 
Ihr wart schon auf dem richtigen Weg, habt unseren geebnet, sodass wir das Selbstvertrauen haben, auf unseren Instinkt zu hören und uns frei machen können von dem „Kind als Tyrann“.

Jede Generation von Müttern hat wahrscheinlich ihr Bestes gegeben und immer nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt.

Seid doch einfach stolz auf uns, wir sind es auch auf euch.

Wenn die Fronten verhärtet sind

Es gibt natürlich auch Familien, in denen bereits von Anfang an schwierige Verhältnisse herrschen. Vielleicht war die eigene Kindheit, mit der eigenen Mutter oder Oma sehr belastet. Oder die Ansichten gehen soweit auseinander, dass es ständig zu Streitereien kommt.
Doch was sollte man dann tun? Den Kontakt abbrechen? Gute Miene zum bösen Spiel?

Viele Konflikte können bereinigt werden, wenn man offen und ehrlich miteinander versucht zu reden. Dabei ist es wichtig, dass du dir vorher genau überlegst, was du an der Kritik denn so schlimm findest. Warum ärgert es dich, wenn deine (Schwieger-) Mutter, Tante, Vater oder ein anderes Familienmitglied ungefragt Ratschläge verteilt? Manchmal sind wir einfach selbst ein bisschen unsicher und fühlen uns deshalb schnell angegriffen. Oder hast du vielleicht das Gefühl, dass die eigene Familie kein Vertrauen in deine Fähigkeiten als Mutter setzt? Was empfindest du dabei? Und was würdest du dir stattdessen wünschen? Wenn du dir darüber im Klaren bist, kannst du es ansprechen. Beginne dann damit, von dir heraus zu sprechen anstatt Vorwürfe zu machen. Sag lieber: „Ich fühle mich unsicher, wenn …“ anstelle von „Immer tust du dies oder jenes …!“. So nimmst du deinem Streitpartner schnell den Wind aus den Segeln und vielleicht war ihm ja auch gar nicht bewusst, dass es dir so geht, wenn er dir Ratschläge gibt.
Und wenn dich die ungefragten Tipps einfach nur nerven, atme einmal tief durch und entgegne dann mit Sätzen wie:

„Danke für den Tipp, …“
„… ich werde es mir durch den Kopf gehen lassen.“
„… aber ich möchte meine eigenen Erfahrungen sammeln.“
„… wir haben da unsere eigene Meinung zu.“

Wenn alles nichts hilft

Wie bei allen Streitigkeiten, die Erwachsene betreffen, sollte man auch hier die Situation nicht auf dem Rücken der Kinder austragen. Der Streit sollte nicht vor den Kindern ausgefochten werden. Hier hilft ein kurzes: „Lass und später drüber reden.
Sollte dies nicht möglich sein, hast du die Verantwortung für dein Kind. Begleite es aus der Situation heraus, verabschiedet euch oder bitte das Familienmitglied darum, zu gehen. Bleib dabei ruhig aber bestimmt und erkläre, dass es für euch hier heute kein Weiterkommen gibt.
Sollten die Konflikte jedoch weiter bestehen, bleibt es dir freigestellt, ob du den Kontakt mit dem Familienmitglied aufrecht erhalten möchtest. Entziehst du allerdings auch den Kontakt zu den Kindern, schadest du auf lange Sicht gesehen eher den Kindern, als deinem Gegenüber. Sie haben mit den Streitigkeiten nichts zu tun und brauchen zum Beispiel einen Opa oder eine Oma. Versuche den Kontakt so ablaufen zu lassen, dass du nicht dabei sein musst, indem ein Dritter vielleicht mit den Kindern das Familienmitglied besucht. Oder das Familienmitglied holt dein Kind bei dir Zuhause ab und sie unternehmen gemeinsam etwas. Vielleicht fällt es euch auch leichter gemeinsame Kontakte nur in der Öffentlichkeit stattfinden zu lassen.

Sollten auch diese Methoden nicht weiterhelfen, ist es vielleicht an der Zeit professionelle Hilfe anzufragen. In solchen Fällen kann ein Anruf beim Jugendamt immer sehr hilfreich sein. Erklärt die Lage und lasst euch Kontaktdaten von Institutionen geben, die in eurer Stadt für solche Probleme hilfreich sein können.

Ich habe hier einige Hilfestellen für euch heraus gesucht:

Caritas – Familienberatung
Diakonie – Familienberatung
Liste von Familientherapeuten
Liste von Familien-Mediatoren

Letztendlich sollten wir alle ein wenig Verständnis für einander aufbringen und uns fragen, warum die Kritik nicht einfach so von uns abprallt. Unsere Unsicherheiten geben fremder Krikik eine Bedeutung.

Wie ist es denn bei euch? Kennt ihr diese Kritik aus der eigenen Familie auch? Mich würde interessieren, wie ihr damit umgeht.

Bis dann,

eure Sarah

[^1]: gesprochen wie das englische Wort *why* (/ˈwaɪ/)

Streitthema Erziehung

Wenn man von seiner Heimat weiter entfernt wohnt und seine Familie nur selten zu Gesicht bekommt, dann kann sich ab und an schon einmal ein wenig Sehnsucht nach seinen Liebsten einschleichen.

Aus diesem Grund habe ich mich vor einigen Wochen auch ausgesprochen auf die Weihnachtszeit gefreut, denn die haben wir im Kreise unserer Familie über mehrere Wochen verbracht.

Jetzt ist die Weihnachtszeit vorbei und und ich sehe mir gern die Fotos an, die in der Zeit entstanden sind. Aber irgendetwas hat einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen…

Familie kann man sich bekanntlich ja nicht aussuchen und im Grunde liebt man sich, auch wenn man sich so manches mal tierisch auf den Zwirn geht. Was an den Familientagen allerdings wirklich nerven kann, sind gut gemeinten Ratschläge, Tipps und rhetorischen Fragen von Besserwissern aus der Familie.

„Also ich weiß ja nicht, aber wir haben die Kinder früher nicht die ganze Zeit durch die Gegend getragen – da hatten wir ja auch gar keine Zeit zu.“

„Die möchte aber wirklich viel an die Brust und ablegen lässt sie sich ja auch nicht!“

„Du musst das Köpfchen auch halten!“

„Die ist sicher müde, deswegen schreit sie so!“

„Früher war nicht alles nur schlecht.“

„Die hat euch ganz schön in der Hand. Sie weiß genau wie sie kriegt was sie will!“

„Oje, da zieht ihr euch aber ein ganz schön verwöhntes Luder heran!“

Das sind nur einige Beispiele. Und normalerweise macht es mir nichts aus, denn ich verlasse mich auf mein Bauchgefühl und fühle mich dabei auch ziemlich sicher.

Wenn man allerdings tagelang mit diesen Kommentaren bombardiert wird, hat man irgendwann keine Lust mehr zu erklären und zu vermitteln und fragt sich nur noch:

„Warum könnt ihr so schlecht akzeptieren, dass wir es anders machen als ihr?“

Es ist noch nicht einmal so, dass ich mich rechtfertigen muss oder möchte. Ich war anfangs noch ziemlich bemüht zu erklären, warum ich dies und jenes so tue, wie ich es tue. Einfach um ein gegenseitiges Verständnis zu vermitteln. Allerdings schaltet die ältere Generation schon merkbar ab, wenn man mit wissenschaftlichen Theorien kommt oder erklärt, dass das Baby nunmal Bedürfnisse hat.

Zur damaligen Zeit war das Frauenbild ein anderes und die Mutterrolle ebenfalls.

Deswegen meine Erklärung für diesen Schlamassel:

Durch Generationsunterschiede entsteht ein anderes Verständnis für Erziehung. Lasst uns also mal gemeinsam nach der Erziehung von damals und heute schauen.

Die Uroma
Wir sind wirklich froh, dass die Milchschnute noch drei Uromas hat. Alle drei sind Nachkriegskinder,erzogen von Müttern, die in der NS-Zeit aufwuchsen.

Meine Omas wuchsen also mit dem Rollenverständnis auf, dass Frauen für den Haushalt und die Kinder zuständig sind. Vereinzelt haben sie nebenbei auch schon gearbeitet, es war aber eher die Seltenheit.

Kinder bekam man, weil man sie eben bekam. Es wurde so gut wie nie verhütet und als gute Ehefrau hat man die Ehe mit seinem Mann vollzogen.


Waren die Kinder da, wurden sie versorgt. Reinlichkeit war wichtig und regelmäßige Fütterungszeiten ein Muss. Die Kinder sollten schnell selbstständig werden und wurden vornehmlich als kleine Tyrannen angesehen, mit denen man täglich in den Machtkampf gehen musste. Sie sollten abgehärtet werden, damit sie das Leben gut meistern. Schreien stärkte die Lungen und hielten die Babys sich nicht an die festen Schlafenszeiten, so durfte man sich als Mutter bloß nicht von ihnen manipulieren lassen, denn so hätte man den Kampf verloren.

Der Erziehungsstil war ein autoritärer – mit körperlicher Züchtigung sollten die Kinder abgehärtet und gesellschaftsfähig gemacht werden.

Gehorsamkeit, Pflichterfüllung und Disziplin wurden groß geschrieben.

Der Erziehungsratgeber von Johanna Haarer, der in der NS-Zeit geschrieben wurde und an deren Ideologie angelehnt war, prägte die Erziehungshaltung in dieser Zeit. Selbst wenn die Mutter ihn selbst nicht besaß, so teilte doch wenigstens der Kinderarzt diese Haltung. Ebenso diente der Ratgeber bis 1960 als Fachbuch in relevanten Berufen.

Die Oma
Die Generation meiner Mutter ist in den 60/70ern aufgewachsen. Hier entstand der erste Umbruch im Rollenverständnis der Frauen.

Die Frauen wurden unabhängiger, gingen arbeiten in einem Job, den sie sich ausgesucht hatten und bekamen Kinder, die sie sich wünschten. Sie kämpften für ein neues Frauenbild und zeigten, dass es klappen kann die Familie und den Beruf unter ein Dach zu bekommen.

Allerdings war der Betreuungsrahmen für Kinder noch nicht derselbe wie heute. Nach der Geburt konnten die Mütter nur Zuhause bleiben, wenn der Mann genügend Geld verdiente. U3-Plätze gab es noch nicht und so wurden die Kinder, wir, häufig von den Omas betreut.

Hier trafen zwei unterschiedliche Generationen aufeinander. Unsere Mütter glaubten daran, dass in Kindern etwas Wundervolles steckt. Die Erziehung sollte den Kindern dabei helfen ihre Persönlichkeit zu entwickeln und Selbstbewusstsein aufzubauen.

Sie mussten sich allerdings gut durchsetzen, denn ihre eigenen Mütter konfrontierten sie immer wieder mit den alten Erziehungsansichten, nämlich dass das Kind verwöhnt würde wenn man sich zu bedürfnisorientiert darum kümmerte.

Letztendlich erzogen unsere Eltern uns mit dem Gedanken, dass Kinder Liebe und Zuwendung brauchen, gefördert und gefordert werden sollten und unterstützten uns, wo immer sie konnten. Der Haarer’sche Erziehungsratgeber wurde zu dieser Zeit übrigens immer noch verkauft. Mit einigen Anpassungen, jedoch mit dem gleichen Wortlaut. Die Gesamtauflage betrug bis 1987 1,2 Millionen.

Die Mutter
Die Mutter der Milchschnute, also ich, gehört zu der sogenannten Generation Y*. Wir Mittelschicht-Kinder wuchsen mit dem Verständnis der Gleichberechtigung auf. Wir haben das Gefühl, dass wir alles erreichen können, wenn wir an uns glauben. Weil unsere Eltern an uns geglaubt haben.

Uns ist die Freizeit mit der Familie wichtiger, als die Zeit, die wir auf der Arbeit verbringen, auch wenn wir unseren Job gern machen. Wir sind privilegiert, alles zu hinterfragen, uns ständig weiterzuentwickeln und uns unseren Lebensweg selbst auszusuchen. Das ist das, was unsere Eltern sich für uns gewünscht haben.

Unsere Kinder sind Wunschkinder und wir haben das Glück uns aussuchen zu dürfen, ob wir nach der Geburt wieder arbeiten gehen wollen oder eine Auszeit nehmen.

Wir erziehen unsere Kinder intuitiv, bedürfnisorientiert und setzen alles daran eine verlässliche Bezugsperson für unsere Kinder zu sein. Wir lassen die Kinder Kinder sein, so lange es eben geht. Weil wir selbst gern an unsere Kindheit zurück denken, was der Verdienst unserer Mütter und Großmütter ist.

Mein Friedensangebot
Ihr lieben Urgroßmütter, wir sind froh, dass ihr eure Urenkel noch erleben könnt. Betüddelt sie, solange es geht und sollten sie dadurch verwöhnt werden, müssen wir es eben ausbaden.

Und wenn wir es so sehr anders machen als ihr, dann ist es vielleicht genauso schwer zu verstehen, wie das Umgehen mit der modernen Technik und dafür haben wir Verständnis. Aber wir dürfen es so machen, wie ihr es vielleicht neben der ganzen “Gehirnwäsche” selbst tief in eurem Herzen gespürt habt, es aber wegen dem Bild nach Außen nicht tun konntet. Ihr habt in einer Zeit gelebt, in der vieles nicht so selbstverständlich war, wie es heute ist. Ihr wusstet es einfach nicht anders.

Und ihr lieben Mütter. Wir danken euch dafür, dass wir die Mütter sein können, die wir heute sind. Das ist euer Verdienst. 

Wir kuscheln gern mit unseren Kindern und wiegen sie fest an uns, weil wir uns selbst so wohl in euren Armen gefühlt haben. 
Uns ist die Bindung zu unserem Kind so wichtig, weil wir die Nähe und das Vertrauen von euch ebenso genossen haben. 
Ihr wart schon auf dem richtigen Weg, habt unseren geebnet, sodass wir das Selbstvertrauen haben, auf unseren Instinkt zu hören und uns frei machen können von dem “Kind als Tyrann”.

Jede Generation von Müttern hat wahrscheinlich ihr Bestes gegeben und immer nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt.

Seid doch einfach stolz auf uns, wir sind es auch auf euch.

Wenn die Fronten verhärtet sind
Es gibt natürlich auch Familien, in denen bereits von Anfang an schwierige Verhältnisse herrschen. Vielleicht war die eigene Kindheit, mit der eigenen Mutter oder Oma sehr belastet. Oder die Ansichten gehen soweit auseinander, dass es ständig zu Streitereien kommt.
Doch was sollte man dann tun? Den Kontakt abbrechen? Gute Miene zum bösen Spiel?

Viele Konflikte können bereinigt werden, wenn man offen und ehrlich miteinander versucht zu reden. Dabei ist es wichtig, dass du dir vorher genau überlegst, was du an der Kritik denn so schlimm findest. Warum ärgert es dich, wenn deine (Schwieger-)Mutter, Tante, Vater oder ein anderes Familienmitglied ungefragt Ratschläge verteilt? Manchmal sind wir einfach selbst ein bisschen unsicher und fühlen uns deshalb schnell angegriffen. Oder hast du vielleicht das Gefühl, dass die eigene Familie kein Vertrauen in deine Fähigkeiten als Mutter setzt? Was empfindest du dabei? Und was würdest du dir stattdessen wünschen? Wenn du dir darüber im Klaren bist, kannst du es ansprechen. Beginne dann damit, von dir heraus zu sprechen anstatt Vorwürfe zu machen. Sag lieber: “Ich fühle mich unsicher, wenn …” anstelle von “Immer tust du dies oder jenes …!”. So nimmst du deinem Streitpartner schnell den Wind aus den Segeln und vielleicht war ihm ja auch gar nicht bewusst, dass es dir so geht, wenn er dir Ratschläge gibt.
Und wenn dich die ungefragten Tipps einfach nur nerven, atme einmal tief durch und entgegne dann mit Sätzen wie:

“Danke für den Tipp, …”
”… ich werde es mir durch den Kopf gehen lassen.”
”… aber ich möchte meine eigenen Erfahrungen sammeln.”
”… wir haben da unsere eigene Meinung zu.”

Wenn alles nichts hilft
Wie bei allen Streitigkeiten, die Erwachsene betreffen, sollte man auch hier die Situation nicht auf dem Rücken der Kinder austragen. Der Streit sollte nicht vor den Kindern ausgefochten werden. Hier hilft ein kurzes: “Lass und später drüber reden.”
Sollte dies nicht möglich sein, hast du die Verantwortung für dein Kind. Begleite es aus der Situation heraus, verabschiedet euch oder bitte das Familienmitglied darum, zu gehen. Bleib dabei ruhig aber bestimmt und erkläre, dass es für euch hier heute kein Weiterkommen gibt.
Sollten die Konflikte jedoch weiter bestehen, bleibt es dir freigestellt, ob du den Kontakt mit dem Familienmitglied aufrecht erhalten möchtest. Entziehst du allerdings auch den Kontakt zu den Kindern, schadest du auf lange Sicht gesehen eher den Kindern, als deinem Gegenüber. Sie haben mit den Streitigkeiten nichts zu tun und brauchen zum Beispiel einen Opa oder eine Oma. Versuche den Kontakt so ablaufen zu lassen, dass du nicht dabei sein musst, indem ein Dritter vielleicht mit den Kindern das Familienmitglied besucht. Oder das Familienmitglied holt dein Kind bei dir Zuhause ab und sie unternehmen gemeinsam etwas. Vielleicht fällt es euch auch leichter gemeinsame Kontakte nur in der Öffentlichkeit stattfinden zu lassen.

Sollten auch diese Methoden nicht weiterhelfen, ist es vielleicht an der Zeit professionelle Hilfe anzufragen. In solchen Fällen kann ein Anruf beim Jugendamt immer sehr hilfreich sein. Erklärt die Lage und lasst euch Kontaktdaten von Institutionen geben, die in eurer Stadt für solche Probleme hilfreich sein können.

Ich habe hier einige Hilfestellen für euch heraus gesucht:

Caritas – Familienberatung
Diakonie – Familienberatung
Liste von Familientherapeuten
Liste von Familien-Mediatoren

Letztendlich sollten wir alle ein wenig Verständnis für einander aufbringen und uns fragen, warum die Kritik nicht einfach so von uns abprallt. Unsere Unsicherheiten geben fremder Krikik eine Bedeutung.

Wie ist es denn bei euch? Kennt ihr diese Kritik aus der eigenen Familie auch? Mich würde interessieren, wie ihr damit umgeht.

Bis dann,

eure Sarah

*gesprochen wie das englische Wort why (/ˈwaɪ/)

Mama Challenge 2015 – KW 3

Lange habe ich es vor mir hergeschoben und ständig kam etwas dazwischen, sodass es nicht geklappt hat. Letzte Woche aber gab es kein Pardon. Keine Ausreden.
Die Milchschnute und ich mischten uns unter die Mama-Baby-Kontaktbörse und fuhren am vergangenen Freitag zu einem Babytreff, denn in der letzten Aufgabenstellung der Mama Challenge hieß es: Weiterlesen